Historisches aus unserer Region

Zugriffe: 1766
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Bewertungen 0.00 (0 Abstimmungen)
Ein Blick in die Vergangenheit mit Hans-Joseph Britz
 
historisches 01  
Die Keimzelle des Ortes Bruchhof
historisches 02
Das Herrenhaus
historisches 04
Herr und Frau von Wegner besuchen
das Stadtarchiv zwecks Informationen
über das Gut Königsbruch
 
Ein Glück für die gesamte Stadt Homburg und den Saarpfalzkreis: Der Bruchhof wird restauriert und avanciert zum Prunkstück.
 
Welch eine Chance für das Hofgut Königsbruch
Die Zeiten stehen eher schlecht für alte Gemäuer. Auch in Homburg. Es ist derzeit das wohl stärkste Desinteresse überhaupt festzustellen, denn allerorten fallen Häuser der Abrissbirne zum Opfer, werden verschandelt oder dermaßen umgebaut, dass von der ursprünglichen Bausubstanz so gut wie nichts mehr zu erkennen ist. Der Grund für diese Situation lautet wie selbstverständlich: Mangel an finanziellen Mitteln und auch Zuwendungen. Eines der schönsten und bedeutendsten noch erhaltenen Gebäude konnte aufgrund des entsprechenden Idealismus für die Stadt Homburg gerettet werden: das „Hofgut Königsbruch“.
Der erlesene Kenner der Geschichte von Schloss Karlsberg, Honorarprofessor Dr. Wilhelm Weber hat in seinem 1987 erschienenen Standartwerk den Hof folgendermaßen beschrieben. „In diesem Zusammenhang darf …darauf hingewiesen werden, dass im benachbarten Bruchhof sich eine alte Gebäudeanlage erhalten hat, die genauso beschaffen war wie der Louisenhof, Ausgangspunkt der Schlossanlage auf dem Karlsberg: der ‚Königsbrucher Hof‘ mit zweistöckigem Hauptwohnhaus und zwei seitlich davon stehenden Stallungen.“ Dieses Hofgebäude ist bis heute hufeisenförmig angelegt und wäre dem Verfall preisgegeben, hätten sich nicht Idealisten entschlossen, hier etwas zu tun. Es handelt sich um die Familie von Wegner, die sich 2014 des stark herunter gekommenen Gutes annahm und es käuflich erwarb. Ein großes Glück nicht nur für die Einwohner des gleichnamigen Stadtteils, sondern für die gesamte Stadt Homburg und den Saarpfalz-Kreis. Der Verfasser dieses Beitrags schaute seit Jahren wehmütig am Ortsausgang von Bruchhof auf das bedeutsame Ensemble in der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet. Und tatsächlich hat sich etwas getan in dieser Keimzelle des Ortes.
 
Die regionale Bedeutung des Hofes
Gut Königsbruch erwacht aus seinem Dornröschenschlaf und soll noch in diesem Jahr zu seiner einstigen Pracht erstehen. Erbaut wurde das Hofgut im Jahre 1766 gemeinsam mit den nahe gelegenen Gütern Buchenberger Hof und Louisenhof durch Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken. Das Anwesen gehörte später der Herzogin Maria Amalia, der Ehefrau von Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken, der Tochter des sächsischen Kurfürsten. Sie war eine Cousine von Ludwig dem XVI. von Frankreich, von Spaniens König Karl IV. und Maria Ludovica, der Frau Kaiser Leopolds von Österreich. Kark-August war der Neffe von Christian IV. Da von Schloss Karlsberg, welches 1790 fertiggestellt war und bereits 1793 im Zuge der Französischen Revolution von deren Anhängern niedergebrannt wurde und dementsprechend nur noch wenige Überreste zu finden sind, kann man gerade am historischen Bruchhof die architektonische Nähe zu diesem Beinahe-Residenzschloss fest machen. Das Gut, zunächst in französischem Nationaleigentum, wurde 1805 der Witwe des Homburger Herzogs zurückgegeben. Maria-Amalia wiederum veräußerte es an Privat. Es folgte eine wechselvolle Geschichte mit einer Vielzahl von Nutzungen und Eigentümern: Kanzleidirektor Böhmer, Kaufleute Thibault und Mathieu, Johannes Hauter, Anton Harth, Unternehmer Wilhelm Schulde, Christian Wunn, Rudolf Tascher, Erben Bormann/Zarges. In der sog. „Special-Renovation“ von 1772, also 6 Jahre nach dem Bau des Gutes, beschwert sich der Homburger Stadtrat über den Verlust von Grundstücken, Felder und Weiden zugunsten des Herzogs und seiner Bauten. Mittlerweile seien durch den Raubbau „Äcker, welche noch vor wenigen Jahren zum besten Land gerechnet worden, dermahlen unter dem Sand begraben…Allein die Weyde ist…so schlecht, daß, wer eine Kuh halten will, solche im Stall füttern muß.“ Man prophezeit dem Herzog, dass auch er geringere Einkünfte in der „Landacht und beim Zehnden“ erzielen werde, falls immer mehr Ländereien eingezogen werden sollten. 1776 beschwert sich die Stadt Homburg wiederum über die Einschränkung ihres „Weydstrichs“ in der großen und kleinen Gemeinschaft, durch Anlegung des Buchenberger-Hofs, des Luisen-Hofes sowie durch Anlegung des Konigsbrucher Hofes. Im königlich-bayerischen Urkataster ist 1846 die heutige Hofanlage recht gut erkennbar.
 
Familie von Wegner engagiert sich
Archibald von Wegner stellte ein Konzept für die Wiederherstellung, Sanierung und Renovierung des bedeutsamen Gebäudes vor. Selbstverständlich wird er das Haupthaus bewohnen, aber nicht ganz. Das Erdgeschoss soll teilweise der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, z.B. bei Konzerten mit barocker Musik, Ausstellungen und Vorträgen. In der früheren Verwalterwohnung nimmt Architekt Lars Maier sein Domizil, evt. mit Büro. Scheune und Ställe werden auch genutzt. Hier ist seitens der Familie vorgesehen, sie uneingeschränkt der gesamten Bevölkerung unserer Stadt und darüber hinaus zugänglich zu machen: ein Teil des Stadtarchives, besonders jener, der aus Nachlässen und gegenständlichem Museumsgut besteht, könnte hier dargestellt werden. Also eine Dependance zum eigentlichen Archiv in der Kaiserstraße. Denkt man dies weiter, könnte man gar auf die Idee kommen, die zur Zeit in vier Räumen des ehemaligen Edelhauses in Schwarzenacker dargestellten Barockbilder, also jene Leihgaben der Alten Pinakothek München, die aus der Pfalz-Zweibrückischen Gemäldesammlung stammen, hier unterzubringen. Römer und Barock ist ein bisschen gegensätzlich und wer das interessante Römermuseum besucht, der hat nicht unbedingt einen Zugang zur barocken Malergruppe um den herzoglichen Generalbaudirektor Mannlich.
 
Zukunft des Waldes
Zum Hofgut Königsbruch gehörten schon immer entsprechende Ländereien; so war es schon zu Herzogszeiten, so ist es jetzt immer noch. Insgesamt handelt es sich um 8 Hektar Weideland und 71 Hektar Wald, größtenteils aus Nadelbäumen bestehend. Die von Wegners haben dem früheren Eigentümer, der Naturlandstiftung Saar, die Bewirtschaftung des Forstes für 3 Jahrzehnte überlassen. In dieser Zeit wird die Stiftung bestimmungsgemäss einen Mischwald anlegen. Die im Winter 2014/15 gefällten Fichten werden ersetzt durch über 6.000 Buchen-, Eichen- und Ahornsetzlinge. Mit ein wenig Glück wird in den kommenden 30 Jahren die historische Waldsituation in etwa wieder hergestellt. Damals wuchsen in unserer Region nur Laubwälder. Die ertragreicheren, weil schneller wachsenden Fichten wurden erst später angepflanzt. Die heutigen Eigentümer verzichten ausdrücklich zugunsten dieses originalen Anbaus auf die entsprechenden Erträge. Bekanntlich ist ein Mischwald um ein Vielfaches nützlicher für unser Klima.
 
Renovierung läuft auf vollen Touren
Bei einem Besuch auf Einladung der Familie von Wegner konnten wir uns vor einiger Zeit selbst ein Bild machen, wie es um die Renovierung dieses Kleinods bestellt ist. Es ist ein Mammutprogramm, das durchgezogen wird, aber immer auch auf die Details bedacht. Seien es die alten Heizkörper mit ­Jugendstilmotiv, alte Tür- und Fenstergewände, Eichenbalken u.v.m. Sorgfältig aufbewahrt harrt es der Wiederverwendung. Für Archibald von Wegner, seine Frau und dem Junior, der Medizin studiert, ist es mehr als nur eine bauliche Sanierung, es ist ein echtes Herzensanliegen, das heruntergekommene Bauwerk zu einem Prachtstück herauszuputzen. Viel Geld wird investiert, das wohl so schnell nicht zurückkommt. Von Wegner stammt aus einer Familie, die selbst Güter besaß, die allerdings durch den Zweiten Weltkrieg ihrem Zugriff entzogen wurden. Nun kann er das Verlorene an anderer Stelle wieder aufbauen.
 
Großes Einweihungs- und Jubiläumsfest
Die Halle rechts vorm Herrenhaus, mit Eisenfenstern versehen, erinnert an eine Fabrikhalle. Wilhelm Schulde hatte hier seine Maschinen für die Eisengießerei stehen, im zweiten Weltkrieg wurde dann im ursprünglichen Pferdestell Militär stationiert. Den Betrachter fasziniert besonders das ausladende Gebälk. Der neue Eigentümer könnte sich hier ein kleines Museum mit alten Traktoren und bäuerlichen Gerätschaften vorstellen.
Draußen im Garten wurde unter Federführung der Dame des Hauses ein Barockgarten mit Säuleneichen und Spalierlinden bepflanzt, der den treffenden Namen „Amaliengarten“ erhalten wird. Hinter dem Wohnhaus wurde der Waldhang u.a. mit Rhododendron bepflanzt. Schon jetzt ein herrliches Bild, leider etwas verdeckt für die unsensible Bebauung der ursprünglich freien und offenen Zufahrt. Noch in diesem Jahr sollen die Hauptarbeiten insoweit abgeschlossen sein, dass ein großes Einweihungsfest stattfinden kann. Pünktlich zum 250. Jahrestag der Entstehung des Hofgutes. Wir drücken dem Bauherrn die Daumen und wünschen weiterhin viel Erfolg.
 
hjb
Infos zur DSGVO
Erforderliche Cookies und Server-Log-Dateien

Hiermit stimme ich zu, dass die für die Nutzung dieser Webseite erforderlichen Cookies in meinem Browser gesetzt und die notwendigen Informationen in den Server-Logdateien gemäß Datenschutzerklärung gespeichert werden dürfen.

 

Google Analytics

Hiermit stimme ich zu, dass bestimmte Daten zwecks Tracking und Auswertung durch Google Analytics gemäß der Datenschutzerklärung erfasst und gespeichert werden dürfen.

 

Ohne diese Zustimmung ist die Nutzung dieser Webseite aus technischen Gründen nicht möglich.

 

  ich bin damit einverstanden!