Begeisterung für die Welt der Antike
Erinnerungen an den Althistoriker Prof. Dr. Peter Robert Franke
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Der Numismatiker Prof. Dr. Peter Robert
Franke, gezeichnet von dem
Schüler Evguenij Kounik (damals 11b),
einer römischen Münze nachempfunden
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Karikatur von Melanie Enderlein (11a):
Professor Franke in Bergmannsmontur
während einer Vorlesung 
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Karikatur von Stefanie Weidlich (damals 11a):
Professor Franke als Imperator,
umgeben von drei Mitschülern als römische Legionäre
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Die AG Geschichte des Saarpfalz-Gymnasiums präsentiert Bücher von Professor Franke und Souvenirs aus Griechenland:
(v. l.) Jasmin Martin, Malek Al Kadah,
Geschichtslehrer Eberhard Jung, Johannes Göddel,
Laurin Seichter und Cecilia Klein (2019)
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Wiedersehen des emeritierten Professors
mit zwei seiner ehemaligen Studierenden im Römermuseum Schwarzenacker (2010): Peter R. Franke (Mitte) mit dem Homburger Kulturamtsleiter Klaus Kell (links) und Geschichtslehrer Eberhard Jung
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Professor Franke, am Pult zusammen mit ­Geschichtslehrer Eberhard Jung, beantwortet zwei Stunden lang die Fragen von
neugierigen Schüler(inne)n im Musiksaal
des Saarpfalz-Gymnasiums (2010)
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Das gastfreundliche Ehepaar Philemon und Baucis aus der griechischen Mythologie gilt heutzutage noch als Vorbild im Umgang mit Fremden (Illustration von Skala Askandar, 6a)
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ADie gefürchtete Medusa als geflügeltes
Ungeheuer mit Schlangenhaaren
(Gemälde von Alina Keßler, damals 9c)
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Caesar und Kleopatra in Ägypten
(Ausstellungsbeitrag von Laura Fuchs, GK Ge 11)
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Kassandra, deren unheilvolle Vorhersagen nicht geglaubt wurden, vor dem brennenden Troja (Illustration von Kassandra Stark, 9c)
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Alexander der Große, porträtiert von Alina Keßler (GK Ge 11), war ein Forschungs- und Vorlesungsthema von Peter R. Franke 
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Lysistrate, die aufreizende Pazifistin in der gleichnamigen Komödie von Aristophanes, versuchte mit einem Sexstreik
der Athenerinnen und Spartanerinnen den Peloponnesischen Krieg zu beenden – eine geistreiche Utopie
(Illustration von Viorica Schorpp, damals 9c)
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Schüler(innen) des Saarpfalz-Gymnasiums mit ihrem Lehrer Eberhard Jung beim ersten Professor-Franke-Gedächtnis-Essen im Homburger Restaurant „Mediterraneo“ (März 2019)
In seinen Vorlesungen an der Universität des Saarlandes erinnerte er gern und hoffnungsvoll an das lange Leben vieler Althistoriker, die zumeist seine eigenen Lehrer und Kollegen waren. Nun ist er selbst am 30. Dezember 2018 im hohen Alter von 92 Jahren in Berlin gestorben: Professor Dr. Peter Robert Franke, der ein Vierteljahrhundert lang (von 1967 bis 1992) die Alte Geschichte an der Saarbrücker Uni maßgeblich prägte und sowohl bei den Studierenden als auch seinen Fachkollegen hochgeschätzt und beliebt war.

Sein Forschungsschwerpunkt war die antike Numismatik (Münzkunde). Die Begegnungen mit dem charismatischen Geschichtsprofessor, der in Saarbrücken rund 1100 Staatsexamensarbeiten und zahlreiche Dissertationen (Doktorarbeiten) betreut hatte, war auch für viele Schüler(innen) des Saarpfalz-Gymnasiums ein unvergessliches Erlebnis. Auf Einladung ihres Geschichtslehrers, der einer dieser 1100 Staatsexamenskandidaten war, besuchte der emeritierte Wissenschaftler 2010 ihre Schule. Des Öfteren gab es auch Treffen mit Teilnehmer(inne)n der AG Geschichte anlässlich seiner Vorträge in Homburg, Schwarzenacker, Saarbrücken und Saarlouis. Die Schülerin Alina Keßler lud er sogar in seine Wohnung nach München ein und vertraute ihr handschriftliche Tagebuchaufzeichnungen von Kaiser Wilhelm II. an zur persönlichen Auswertung. Auf Initiative der AG Geschichte fand im März 2019 im griechisch-italienischen Restaurant Mediterraneo in Homburg zur Erinnerung an den Althistoriker das erste Professor-Franke-Gedächtnis-Essen statt. Man unterhielt sich über den renommierten Professor für Alte Geschichte und sein Forschungsgebiet, die Welt der Griechen und Römer, ihre Errungenschaften und humanistischen Ideale sowie ihr Fortleben in unserer deutschen Kultur. Die bewundernswerten Kulturleistungen der Antike mit menschlichen Glanzleistungen wurden barbarischen Verfehlungen und menschlichen Torheiten gegenübergestellt und es war reizvoll, sie mit der Gegenwart zu vergleichen. So hat es der Universitätsprofessor einst auch seinen Studierenden beigebracht.
Es ist bemerkenswert, wie Franke sich mit Fleiß, Ehrgeiz und Ausdauer aus schwierigen Verhältnissen kontinuierlich hochgearbeitet hat! Am 2. November 1926, während der kurzen „Goldenen Zwanziger“ der Weimarer Republik, wurde er im westfälischen Lüdenscheid geboren und wuchs danach in Bayern auf. Seine Kindheit und Jugend waren wegen der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges entbehrungsreich. Seinen Traumberuf des Marineoffiziers konnte er wegen der Kriegsturbulenzen nicht verwirklichen. Stattdessen musste er seinen Lebensunterhalt nach Kriegsende im bayerischen Kohlebergwerk Peissenberg verdienen, wo er 1948 seine Facharbeiterprüfung ablegte. Die Urkunde seiner Hauerprüfung und eine Grubenlampe zeigte er viele Jahre später mit großem Stolz immer noch in seinem Saarbrücker Dienstzimmer, denn er war wohl der einzige gelernte Hauer in den Reihen der Professoren an bundesdeutschen Hochschulen. Der Weg in die Wissenschaft führte ihn über das nachgeholte Abitur zum Studium der Geschichte, Geographie und Germanistik in Erlangen. 1954 wurde er mit einer von Professor Helmut Berve betreuten Doktorarbeit über „Alt-Epirus und das Königtum der Molosser“ promoviert. 1961 folgte seine Erlanger Habilitationschrift „Die antiken Münzen von Epirus“. Der Berufsweg führte ihn zunächst an die Staatliche Münzsammlung München, anschließend als Akademischer Oberrat ans Deutsche Archäologische Institut in Athen und Istanbul. Dann lehrte er als Dozent an der Universität München, bis er einen Ruf nach Saarbrücken erhielt. Von 1967 bis 1992 wirkte er als Professor am Institut für Alte Geschichte der Universität des Saarlandes und baute dort ein Zentrum für antike Numismatik auf. Er betreute zahlreiche numismatische Dissertationen und erwarb sich mit der unermüdlichen Förderung junger Talente große Verdienste um den wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Aufenthalt vieler ausländischer Gastwissenschaftler und Stipendiaten am Saarbrücker Institut für Alte Geschichte, deren Dissertationen er betreute, bekunden das internationale Renommee des vielseitigen und sympathischen Wissenschaftlers, der als weltoffener Europäer und Philhellene (Griechenfreund) auftrat. Zudem warb er in gezielter Öffentlichkeitsarbeit mit zahlreichen Publikationen, Ausstellungen und Vorträgen für die Beschäftigung mit Geschichte. Gastprofessuren führten ihn nach New York, Princeton, Wien, Budapest sowie mehrfach Thessaloniki und Salzburg. Als Dekan stand Professor Franke zwischen 1983 und 1985 an der Spitze der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst weit über hundert Publikationen. Wegen seiner Verdienste um die Numismatik erhielt er vielfältige ­Auszeichnungen und Ehrerweisungen in Deutschland, Europa und Amerika. In seiner Freizeit unternahm er jahrzehntelang mit kleinen Segelschiffen Kreuzfahrten im Mittelmeer, v.a. in der Ägäis. Er lebte in einer sehr musikalischen Familie, besuchte gern Konzerte, genoss im Ruhestand das üppige Kulturprogramm seiner Wahlheimat München und war sehr belesen. Unter anderem bereicherte er die Thomas-Mann-Forschung mit einer Auswertung zahlreicher Dokumente einer Jugendfreundin des Schriftstellers, die in den vierziger Jahren seine Nachbarin war.
Zu Homburg hatte Franke eine ganz besondere Beziehung. Bei Generationen von Studierenden und späteren Geschichtslehrern aus dem Saarpfalz-Kreis hinterließ er tiefe Spuren, in der Kreissparkasse und in der Universitätsklinik arrangierte er Ausstellungen und Vorträge, mit dem damaligen Oberbürgermeister Reiner Ulmcke und mit gleichaltrigen Professoren der Homburger Uni war er freundschaftlich verbunden. Er bekannte sich als Wahl-Münchner auch dazu, dass er vom Homburger Bier begeistert war, und hatte großes Interesse an der bayerischen Vergangenheit der Kreisstadt. 2010 besuchte er das Saarpfalz-Gymnasium und nahm an einem mehrstündigen Stadtrundgang mit Klaus Friedrich teil. Bei den dreitägigen Begegnungen schwärmte der damals 83-jährige Wissenschaftler: „Ich wurde noch nie so herzlich empfangen wie in eurer Schule.“ Ihm zu Ehren präsentierte das Homburger Traditionsgymnasium auf zehn Stellwänden eine opulente Ausstellung über mythologische, literarische und reale „Gestalten der Antike“, an der sich vier Klassen beteiligten. Mit über 150 einfallsreichen Beiträgen, darunter beeindruckenden Porträts, Karikaturen und Papyrusmalereien, spiegelten die Schüler(innen) die faszinierende Welt der Antike wider und schenkten ihrem Gast eine Dokumentation mit Kopien aller Arbeiten. Zur Geltung kommen dabei antike Götter (Zeus, Poseidon, Apollon, Athene, Venus, Vulcanus), Helden (Herkules, Odysseus, Achilles, Theseus, Prometheus), monströse Wesen (Minotaurus, Kentauren, Medusa, Hydra), reizvolle Frauengestalten (Nofretete, Circe, die schöne Helena, Kassandra, Lysistrate, Kleopatra), Mathematiker und Naturwissenschaftler (Pythagoras, Euklid, Thales von Milet, Archimedes), Philosophen (Sokrates, Platon, Aristoteles, Seneca), Schriftsteller und Historiker (Homer, Aristophanes, Aischylos, Euripides, Sueton, Tacitus), Feldherren und Staatsmänner (Perikles, Alexander der Große, Hannibal, Caesar, Augustus, Nero, Hadrian) und viele andere. Für reichlich Gesprächsstoff mit den Jugendlichen sorgten das gastfreundliche Ehepaar Philemon und Baucis aus der griechischen Mythologie, dessen Vorbildfunktion Franke besonders schätzte, der selbstverliebte Narzissus, der kraftstrotzende Atlas, die wagemutigen Amazonen und der bedauernswerte Sisyphos. Ein kleiner Wettbewerb mit kniffligen Fragen zu den „Gestalten der Antike“ sorgte für lebhafte Diskussionen. Nach dem Rundgang durch die Ausstellung beantwortete Franke im Musiksaal des Saarpfalz-Gymnasiums die vielen Fragen der rund 150 anwesenden Schüler(innen): zu seinem privaten und beruflichen Lebensweg, seiner Jugend im Dritten Reich, Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg, seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in München, Erlangen, Saarbrücken, Athen, Olympia, Istanbul und anderen Städten. „Nach dem Krieg war ich der Erste und Einzige in Deutschland, der für griechische Münzen ausgebildet war“, betonte er. Auf die Frage, was ihn am Altertum so sehr interessiere, antwortete er, „dass hier schon alle Erscheinungsformen unseres heutigen Lebens auftraten: angefangen bei der Bestechung bis hin zum Reichtum Weniger.“ Immer wieder zog er Vergleiche zwischen Antike und Gegenwart: „Ein Brief von Rom nach Köln war im Römischen Reich mit Postreitern drei Tage unterwegs, heute dauert es oft länger als eine Woche.“ Welche Frauen aus dem Altertum ihn am meisten beeindruckten, wollte ein Schüler wissen. Franke verwies auf Olympias, „die wilde Barbarin“ aus Makedonien, die ihren Sohn Alexander den Großen auf den Thron brachte und viele Intrigen inszenierte, Livia, die Frau des Augustus, die dem Herrscher mit klugem Rat zur Seite stand, und Julia Domna, die Frau des römischen Kaisers Septimius Severus, eine gebildete Dame, die sogar die Philosophenschulen von Athen beeinflusste. Auf großen Beifall stieß seine Bemerkung: „Aber mein Favorit ist meine eigene Frau Leonore.“ Er starb kurz vor der Diamantenen Hochzeit und hinterlässt neben seiner Witwe drei Kinder und mehrere Enkelkinder. Bei der Trauerfeier in Berlin erfüllte ihm seine Schwiegertochter einen seiner letzten Wünsche: Sie spielte „Air“ von Johann Sebastian Bach.
Neben vielen anderen Schriften ist der Althistoriker auch in drei Veröffentlichungen des Saarpfalz-Gymnasiums weiterhin präsent: Einen 16-seitigen Aufsatz über das ­„Ansehen des Arztes in der Antike“ steuerte er für das Buch „Capitolinus und seine Freunde“ (2000) bei, in der Dokumentation „Miteinander, nicht gegeneinander!“ (2011) beleuchtet er in einem umfangreichen Beitrag das Thema der Migration und Integration im Altertum, und in der Festschrift zum 140-jährigen Bestehen des Gymnasiums (2013) wird er als Ehrengast und Philhellene gewürdigt.

Eberhard Jung